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Description
Bambus unterm Schnee 雪の竹 | Hashimoto Gahō 橋本雅邦 | 1835-1908Hashimoto Gah ist gleichsam einer der Avantgardisten am Ende des 19. Jahrhunderts. 1868 bricht die Meiji Epoche an, die eine Zeit des Umbruchs auf kultureller, sozialer und politischer Ebene war. Es sind die Jahre eines fast gewaltsamen Einbruchs westlicher Zivilisation in ein Inselland, das sich 250 Jahre lang vom Ausland entschieden abgeschottet hatte und 1854 von den Amerikanern zur ffnung gezwungen wurde. In der Malerei, die in Japan eine
Hashimoto Gahō ist gleichsam einer der Avantgardisten am Ende des 19. Jahrhunderts. 1868 bricht die Meiji-Epoche an, die eine Zeit des Umbruchs auf kultureller, sozialer und politischer Ebene war. Es sind die Jahre eines fast gewaltsamen Einbruchs westlicher Zivilisation in ein Inselland, das sich 250 Jahre lang vom Ausland entschieden abgeschottet hatte und 1854 von den Amerikanern zur Öffnung gezwungen wurde.
In der Malerei, die in Japan eine grandiose Tradition hatte, war die Ankunft der europäischen Kunst überwältigend, aber auch gefährlich. Sollten junge Maler jetzt nur noch im Stil der französischen Romantik, des deutschen Klassizismus oder irgendeiner akademischen westlichen Tradition Bilder schaffen? Viele taten es mit verblüffendem Geschick in kürzester Zeit.
Doch Maler wie Hashimoto Gahō dachten einen Schritt weiter; ihr Ziel war es, die japanische Malerei von innen heraus zu erneuern und zu entwickeln. Bloßes Weitertreten in einem der alten japanischen Stile war nicht die Lösung für das ästhetische Überleben Japans. Man suchte danach, den Motiv-Reichtum zu erweitern oder klassische Motive neu zu formulieren, alte Techniken mit neuem Leben zu füllen oder gar mit europäischen Ölfarben zu experimentieren.
Dieses Bambusbild hat deutlich eine japanisch-klassische Basis: die Tradition, Bambus zu malen, ist alt und gilt als Fundament der asiatischen Pinselmalerei überhaupt. Dann gibt es auch eine Tradition, Schnee zu malen, doch in beiden Bereichen sucht Gahō hier andere Wege.
Traditionell gemalt sind zunächst nur die Bambus-Blätter – sie unterscheiden sich in keiner Weise von alten Darstellungen. Was aber auffällt, ist der Mangel an sichtbaren Stauden, welche eigentlich den Symbolgehalt dieser Pflanze (beispiellose Flexibilität und Zähigkeit) ausmachen. Noch auffälliger neu ist die Behandlung des Schnees: In alten Bildern wird weißer Schnee nicht wirklich gemalt, d.h. nur als Fläche formuliert, die nicht mit einem Farbschatten überzogen ist, sondern unbemalt bleibt. Das ist zwar auch hier auf der Unterseite der Stauden der Fall, doch der Maler freut sich, die liegenden Schneemaßen auf den Blätterbüscheln mit starken Randlinien zu profilieren. Sie sind ausgesprochen dekorativ und damit auch recht unrealistisch.
Das Spiel der lanzettförmigen Bambusblätter mit ihren scharfen Spitzen, die mit den weichen Kurven des Schneedecken-Profils in verspielten Austausch treten, scheint für diesen Maler das Movens an dieser Bambusdarstellung zu sein – eine solche Freude ist aber ein vollkommen neuartiges Vergnügen in der Behandlung dieses Motivs.
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